Gastronomie

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Die Leute sollen sich wohlfühlen

Aufatmen bei den Verantwortlichen der Kulturscheune Obernsees um Roland Eisenhuth, Vorsitzender des Trägervereins und des TSV, sowie bei Bürgermeister Karl Lappe. Nach knapp einem Jahr Suche nach einem neuen Pächter, ist die neunköpfige Findungskommission sich sicher, die richtigen Partner gefunden zu haben.

Die Überraschung dabei: Mit Martin Rathmann, einem waschechten Münchner, und Wanja Belaga, einem Münchner mit russischen Wurzeln, der als studierter Maler und Klaviervirtuose in der Landeshauptstadtbekannt ist, haben zwei Freunde den Zuschlag erhalten, die Erfahrung in der Gastronomie gesammelt haben. Ab Mittwoch, 1. Juli, werden die beiden für neues Leben in der Gaststätte der Kulturscheune mit all ihren Nebenräumen sorgen.

Dann werden fränkische Schäuferla, abwechselnd Steak-, Fisch- und Schnitzelwochen, ab und zu auch russische Spezialitäten bis hin zu typischen fränkischen Brotzeiten von Obazda über Wurstsalat bis Schinkenplatten die Gaumen vieler erhoffter Gäste erfreuen. Möglich wird dies täglich von 9 bis 23 Uhr sein. Passend hierzu: Vor wenigen Tagen stellten die beiden Pächter einen Koch ein, der zuletzt elf Jahre in München in der Gastronomie tätig war und erst vor kurzem seinen Wohnsitz nach Oberfranken verlegte. Von Dieter Jenß

 

Wanja Belaga am Klavier in der Kulturscheune. Hinten sein Partner Martin Rathmann

Wanja Belaga am Klavier in der Kulturscheune. Hinten sein Partner Martin Rathmann.

 

 

Die Ausgangslage: 3,5 Millionen Euro hat sie gekostet, die 2013 eingeweihte Kulturscheune, deren Eigentümer die Gemeinde Mistelgau ist. Den laufenden Betrieb stemmt ein Trägerverein, hier sitzen der TSV, die Theatergruppe und der Gesangverein in einem Boot. Dazu braucht es Geld: Das fließt vor allem aus den Pachteinnahmen, aber auch aus den Einnahmen für Veranstaltungen in der Sporthalle sowie aus der Stromgewinnung durch die Photovoltaikanlage auf dem Dach.

Ideale Voraussetzungen für Pächter: So sah es Mistelgaus Bürgermeister Karl Lappe beim Pressegespräch im Dezember 2019. Der folgende Bericht war betitelt mit „Keiner setzt sich in die Goldgrube“. Er verwies auf die Tourismuswerte der Region mit Feriendorf mit seinen 51 Häusern, Therme und Wohnmobilstellplätze, nicht zu vergessen der an der Kulturscheune vorbeiführende Radweg sowie den Ferienwohnungen im Ort und den rund 25.000 Übernachtungen im Jahr 2019. Viele dieser Gäste suchten ein gastronomisches Angebot, „die wollen auch was essen am Ort“. Damit nicht genug: Die Halle genieße längst einen hohen Stellenwert für Hochzeiten, Geburtstags- und andere Feiern, sagt Roland Eisenhuth. Wer immer das hier übernimmt, setzt sich in ein gemachtes Nest, so Kassier Stefan Häfner, federführend bei der Pächtersuche. Er sprach gar von einer „Goldgrube“. Und noch eins, so Eisenhuth: als Zuckerl sorgt ja das Vereinsleben fast täglich für Leben in der Kulturscheune und damit auch in der Gaststätte.

Pächtersuche: Es war gerade in Zeiten der Corona-Pandemie kein leichtes Unterfangen für die Verantwortlichen, nachdem die bisherige Pächterin Kathrin Eisenhuth Mitte 2019 fristgerecht zum Jahresende 2019 kündigte, eine Nachfolge zu finden. In der Folge gab es für die eingesetzte Findungskommission im zweiten Halbjahr 2019 zwar Kontakte mit potenziellen Pächtern, konkretes kam aber nicht heraus. Es meldete sich vor allem ausländische Interessenten, „aber wir wollten hier eigentliche eine fränkische Küche“, so Eisenhuth. Stichwort Brotzweiten, die seien nun mal aus kulinarischer Sicht das A und O in einer Urlaubsregion wie der Fränkischen Schweiz. In diesem Jahr hat der Trägerverein viel Geld bei Anzeigen in die Hand genommen. Es gab zwar viele Gespräche mit Interessierten, Führungen durch die Gebäude, aber das passende war nicht dabei. Auch wurden Bewerbungen oftmals im Keime erstickt werden, nachdem die Anforderungen, sprich Kaution, nicht erfüllt werden konnte. Als erfolgreich erwies sich letztlich die monatliche Ausgabe von 200 Euro auf dem „Immobilenscout24.de“. Auf diesen wurden auch die beiden Münchner aufmerksam und bewarben sich.

Ortswechsel von München nach Obernsees. Auf die spannende Frage, weshalb es zwei Münchner nach Oberfranken verschlägt, kommen zwei Antworten: zum einen, so Wanja Belaga, studiert sein Sohn in Bayreuth. Zum anderen sorgte gerade die Corona-Krise dafür, dass das von ihm übernommene Wirtshaus „das Alte Kreuz“, über das selbst die Süddeutsche Zeitung 2019 berichtete, er wegen der Corona-Krise aufgab, nachdem es seitens der Brauerei keine Zugeständnisse wegen der Pacht gab. Martin Rathmann wiederum kann auf 20 Jahre Erfahrung in der Gastronomie verweisen.

Die beiden neuen Pächter vor dem Eingang zur Kulturscheune. Martin Rathmann (links) und Wanja Belaga. Fotos: Dieter Jenß

Die beiden neuen Pächter vor dem Eingang zur Kulturscheune. Martin Rathmann (links) und Wanja Belaga.

Fotos: Dieter Jenß

Konzept von Martin Rathmann (48 Jahre) und Wanja Belaga (51 Jahre). Beide haben sich auf Einladung der Findungskommission in Obernsees vorgestellt und ihr Konzept erläutert. Hierzu gehört auch, dass sie alle Altersschichten von Jung bis Alt ansprechen möchten. Viele regionale Produkte sollen in der Küche verarbeitet werden. Auch vegane Essen kommen auf die Speisekarte. Für Urlauber, so in Verbindung mit dem Feriendorf, könnte Frühstück angeboten werden. Eine Bar mit Cocktails und Longdrings ist angedacht und das aus München überstellte Klavier hat bereits seinen Platz in der Gaststätte gefunden. Hierzu plant Wanja Belaga einmal im Monat ein kleines Klavierkonzert abzuhalten sowie als Zuständiger für die Küche und Organisator – Martin Rathmann ist offiziell der Geschäftsführer – sich um kulturelle Belange zu kümmern, wozu sich vor allem die Sporthalle anbietet. „Wir waren, so die beiden, von vornherein begeistert von dem Ambiente und dem Ort“. Es waren fruchtbare Gespräche, das Konzept kam an, so Roland Eisenhuth. Einstimmig erhielten die beiden Münchner den Zuschlag. „Wir sind froh, dass es geklappt hat“, so Eisenhuth, der optimistisch ist. Wenige Tage nach Vertragsunterzeichnung, dessen Laufzeit vorläufig bis Ende 2021 geht, war die Kaution bereits auf dem Konto des Trägervereins. In den ersten drei Monaten wird zudem der Trägerverein bei der Pacht entgegenkommen. Burkhard Gössl, zweiter Vorsitzender des Gesangvereins und bekannter Koch, zuletzt vor dem Renteneintritt viele Jahre in der Brauereigaststätte Krug in Breitenlesau, wird in der Anfangszeit Ratschläge zu fränkischen Essen geben, so dass bei der Obernseeser Kerwa vom 24. bis 28. September, sicherlich Krenfleisch auf den Tisch stehen wird. Zum Ausschank wird es unter anderem Huppendorfer Vollbier geben. Fazit der beiden Pächter: die Kulturscheune soll ein regionaler Treffpunkt für alle Altersschichten werden. Auch Kartler sind herzlich willkommen. Die Leute sollen sich bei uns wohlfühlen.

Bürgermeister Karl Lappe zeigte sich zufrieden mit der Lösung. Wir haben mit den Pächtern ein gutes Miteinander gefunden. Er hofft, dass die Sommersaison mit den vielen Radfahrern erfolgreich verläuft. Es wäre schön, wenn die wunderschöne Kulturscheune, auch nach den Lockerungen durch Corona, wieder ein echter Mittelpunkt wird.

Biografie zu Wanja Belaga.

Kann man für den Beruf des Wirts auch überqualifiziert sein? Diese Frage stellte die Süddeutschen Zeitung in ihrer Ausgabe vom 19. August 2019,und kam zum Ergebnis: dies lässt sich nicht rundum befriedigend beantworten, aber eines ist klar: Ein Wirt muss nicht zwingend ein Klaviervirtuose sein oder eine Kunstakademie besucht haben, selbst wenn er eine Musik- und Künstlerkneipe führt. Wanja Belaga aber ist so ein Multitalent, hat schon als Kind in seiner Heimatstadt Moskau Klavier gelernt, kam dann mit seiner in der Sowjetzeit ausgebürgerten Familie 1979 nach München. Hier hat er Kunstausstellungen bestritten, abendfüllende Klavierrezitale im Gasteig gegeben. Vor allem aber hat er die Münchner Party- und Subkultur belebt, mit Clubs und Kneipen wie dem Prager Frühling, der Monofaktur, dem Onkel Wanja in der Schauburg, dem Provisorium in der Lindwurmstraße. Und vor allem, Wanja Belaga hat Malerei in der Akademie der Bildenden Künste in München studiert, ist als Konzertveranstalter aufgetreten und ist bei öffentlichen Konzerte mit großer Resonanz als Pianist aufgetreten.

 

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