Die Kulturscheune Obernsees hat mit Daniela und Markus Schmidt aus Mistelgau ein neues Pächterpaar.

Obernsees Die beiden übernahmen zum 1. Februar – zur Freude der Verantwortlichen des Trägervereins der Kulturscheune (KSO) – die erhoffte Neubelebung in dem Gebäudekomplex. Ein mutiger Schritt angesichts der um sich greifenden Schließungen von Gastronomiebetrieben, vor allem mit Blick auf gestiegene Energiekosten, Personalmangel und immer mehr um sich greifende Bürokratie. Dies betonen auch der beim Pressetermin anwesende Bürgermeister Karl Lappe sowie Horst Grzonka als Vorsitzender des Trägervereins der Kulturscheune.

Die neuen Pächter: Hinter dem Ehepaar Schmidt liegen Wochen voller intensiver Vorbereitungen, neuer Ideen und unzähliger Gespräche. Mit viel Energie schlagen sie gemeinsam – mit erhofft vielen Gästen – ein neues Kapitel auf. Hierzu gehört auch, dass Daniela Schmidt (55), gelernte Pharmazeutisch-Kaufmännische Angestellte ihren Beruf aufgegeben hat, um sich voll der neuen Aufgabe zu widmen. An ihrer Seite steht Ehemann Markus (54), der seit 1999 bei der DRV Nordbayern beschäftigt ist und seine Frau voll unterstützt.

Die Kulturscheune Obernsees hat mit Daniela und Markus Schmidt aus Mistelgau ein neues Pächterpaar

Mit der Entscheidung die Gaststätte der Kulturscheune zu übernehmen, erfüllen sich die Eheleute den lange gehegten Traum „einmal als Selbständige“ eine Gaststätte zu übernehmen. Seit 30 Jahren, so die beiden, habe man darüber geredet. Gastronomie war bisher nichts Fremdes, vor allem für Markus Schmidt, dessen Eltern früher die VfR-Gaststätte in Bayreuth führten. In den vergangenen fünf Jahren übernahm das Paar jeweils im August das Sportheim des SV Mistelgau. „Dies war für uns Übung“, so das Ehepaar.

Als sie im September 2025 erfuhren, dass die Kulturscheune frei wird, hieß die Devise „jetzt oder nie“. Eine wichtige Rolle bei der Entscheidung spielte Sohn Yannik. Er war die treibende Kraft, so die Eltern, und hat uns angespornt. „Wir haben uns das Haus angeschaut und uns sofort entschieden“, so Markus Schmidt weiter, „das ist unsere Chance.“ Die Familie ist dankbar, so eine großartig eingerichtete Gaststätte mit all ihren Perspektiven und ohne finanziellen Aufwand übernehmen zu können. „Wir haben im Oktober den Pachtvertrag mit einer jährlichen Kündigungsfrist geschlossen.“ Allerdings wurde gleich zu Beginn deutlich, dass das größte Problem aktuell ist, eine(n) Koch/Köchin zu finden, um damit Daniela Schmidt zu entlasten.

Die Ausgangslage: 3,5 Millionen Euro hat sie gekostet, die 2013 eingeweihte Kulturscheune, deren Eigentümer die Gemeinde Mistelgau ist. Den laufenden Betrieb stemmt ein Trägerverein, hier sitzen der TSV, die Theatergruppe und der Gesangverein in einem Boot. Dazu braucht es Geld: Das fließt aus den Pachteinnahmen, aus den Einnahmen für Veranstaltungen in der Sporthalle sowie aus der Stromgewinnung durch die Photovoltaikanlage auf dem Dach.

Ideale Voraussetzungen für Pächter: So sehen es Mistelgaus Bürgermeister Karl Lappe und die Verantwortlichen und verweisen auf ihre gleichlautenden Aussagen bei der Pächtersuche in der Vergangenheit. Lappe freut sich über die neuen Pächter, die im Hauptort Mistelgau wohnen. Als wichtige Faktoren nannte er die Tourismuswerte der Region mit Feriendorf, Therme und Wohnmobilstellplätzen. Nicht zu vergessen sei der an der Kulturscheune vorbeiführenden Radweg sowie die Ferienwohnungen im Ort mit rund 25.000 Übernachtungen im Jahr. Viele dieser Gäste suchten ein gastronomisches Angebot. Deshalb hat die KSO eine enorme Bedeutung für die Gemeinde, so Lappe. Damit nicht genug: Die Halle genieße längst einen hohen Stellenwert für Hochzeiten, Geburtstags- und andere Feiern, sagt KSO-Vorsitzender Horst Grzonka. Wer immer das hier übernimmt, setzt sich in ein gemachtes Nest, war in der Vergangenheit oft zu hören. Als „Zuckerl“ sorge das Vereinsleben fast täglich für Leben in der Kulturscheune und damit auch in der Gaststätte. Zudem sei das Gebäude auch ideal für Tagungen, neben einem Beamer sind auch sonst alle technischen Voraussetzungen vorhanden.

Pächtersuche: In der Vergangenheit war es gerade in Zeiten der Corona-Pandemie kein leichtes Unterfangen für die Verantwortlichen, eine Nachfolge zu finden. Zuletzt haben als dritte Pächter seit 2013 zum 1. Januar 2024 Bettina Mehl und ihre Tochter Luci Klier mit viel Euphorie zwei Jahre lang – bis Ende 2025 – die Kulturscheune übernommen. Letztlich war die familiäre Belastung einer der Gründe für die Aufgabe. Der Übergang zu den neuen Pächtern, so KSO-Vorsitzender Horst Grzonka, funktionierte gut.

Nachdem Weihnachtsfeiern noch in den Januar 2026 hinein liefen, wurde als Start der 1. Februar vereinbart. Im Januar wurden noch Renovierungsarbeiten über die Bühne gebracht und auch zum Probeessen eingeladen. Schon alleine durch Mund-zu-Mund-Propaganda lief es gut an. Inzwischen wird auf Instagram und auf der Homepage der Kulturscheune geworben. Mittlerweile ist nahezu jeden Tag die Gaststätte voll besetzt.

Essensangebot: Gekocht wird fränkisch, so Daniela Schmidt, die in der Küche steht. Das Angebot bei warmen Speisen von Schnitzel, Cordon Bleu über Currywurst, Scheunenburger bis zur Spezialität der Wirtin, gebackene Rinderleber. Auch Bauernschmaus bis zu Brotzeiten stehen auf der Speisekarte.

Öffnungszeiten: Die Kulturscheune ist am Montag, Donnerstag und Freitag von 16 bis 22 Uhr, am Samstag von 14 bis 22 Uhr und am Sonntag von 11 bis 22 Uhr geöffnet. Dienstag und Mittwoch sind Ruhetage. Telefonisch ist die KSO unter 0 92 06/9 93 87 40 zu erreichen.

Hintergrund: Zahlen belegen das Wirtshaussterben allein in der Gemeinde Mistelgau in den zurückliegenden 50 bis 60 Jahren. So gab es im Jahr 1973 noch 15 Wirtshäuser. Im Jahr 2026 ist im Hauptort Mistelgau nur noch das SVM-Sportheim für größere Familienfeiern geöffnet. In Obernsees stehen zwei und in Mengersdorf eine Gaststätte zur Verfügung, plus Bürgerhaus in Gollenbach.

Dieter Jenß. Nordbayerischer Kurier

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